Gute-Nacht-Geschichte zum Vorlesen: eine ruhige Geschichte für heute Abend
Für heute Abend findest du hier eine ganze Gute-Nacht-Geschichte zum Vorlesen, die bei ruhigem Tempo etwa vier Minuten dauert. Eine gute Geschichte zum Einschlafen hat ein kleines Problem, das in der Mitte gelöst wird, und wird zum Schluss langsamer statt spannender. Unter der Geschichte steht, wie du nach Länge und Stimmung auswählst, wie du vorliest und was du sagst, wenn dein Kind danach «noch eine» möchte.
Gute-Nacht-Geschichte: Das Eichhörnchen und der wache Mond
Lesezeit bei ruhigem Tempo: etwa vier Minuten. Wenn dein Kind schon sehr müde ist, kannst du nach «Warte ein bisschen» direkt zum Absatz mit dem Wind springen.
Am Rand des Waldes stand eine alte Buche, und hoch oben in der Buche, in einem runden Nest aus Zweigen und Moos, wohnte ein kleines Eichhörnchen. Den ganzen Tag war es von Ast zu Ast gesprungen. Es hatte Bucheckern gesammelt, zwei davon gegessen und den Rest unter einer Wurzel versteckt. Jetzt war es müde. Es rollte sich in seinem Nest zusammen, legte den buschigen Schwanz über die Nase und schloss die Augen.
Doch dann öffnete es sie wieder. Zwischen den Blättern hing der Mond, rund und hell, und schaute genau in sein Nest.
«Der Mond ist noch wach», flüsterte das Eichhörnchen. «Wer so lange wach bleibt, friert bestimmt.»
Es kletterte aus dem Nest und den Stamm hinunter. Unten im Gras lag ein grosses, braunes Blatt vom letzten Herbst. Das Eichhörnchen nahm es zwischen die Zähne und trug es hinauf, Ast für Ast, bis zur obersten Gabel der Buche. Dort hielt es das Blatt in die Luft, so hoch es konnte.
Der Mond war viel zu weit weg. Das Blatt zitterte ein wenig im Wind, mehr geschah nicht. Das Eichhörnchen streckte sich, so weit es ging. Der Mond blieb, wo er war.
Auf dem Ast gegenüber sass die Eule. Sie war die ganze Zeit da gewesen.
«Was machst du da oben?», fragte sie.
«Ich will den Mond zudecken», sagte das Eichhörnchen. «Er ist ganz allein.»
Die Eule drehte langsam den Kopf. «Allein ist er nicht», sagte sie. «Schau genau hin.»
Das Eichhörnchen schaute. Neben dem Mond leuchteten kleine Punkte, einer hier, einer dort, und je länger es hinsah, desto mehr wurden es.
«Die Sterne bleiben bei ihm, bis der Morgen kommt», sagte die Eule.
Das Eichhörnchen nickte. Aber es hielt das Blatt noch immer fest. «Und wenn ihm trotzdem kalt wird?»
«Dann bringt ihm der Wind eine Wolke», sagte die Eule. «Warte ein bisschen.»
Sie warteten. Der Wald war still. Irgendwo knackte ein Zweig. Unten am Bach floss das Wasser über die Steine, immer gleich und immer leise.
Dann kam der Wind. Er strich durch die Wipfel, bewegte die Blätter der Buche und schob eine lange, weiche Wolke über den Himmel. Langsam zog sie vor den Mond. Sein Licht wurde matter und wärmer, wie eine Lampe hinter einem Vorhang.
«Siehst du», sagte die Eule. «Jetzt ist er zugedeckt.»
Das Eichhörnchen gähnte. Es kletterte zurück zu seinem Nest, das braune Blatt noch immer im Maul, und legte es oben auf das Moos. Dann kroch es darunter und zog den buschigen Schwanz über die Nase, so wie jeden Abend. Das Blatt roch nach Erde und ein wenig nach Regen.
«Gute Nacht, Eule», murmelte es.
«Gute Nacht», sagte die Eule. «Ich bleibe hier und passe auf.»
Der Wind wurde leiser. Die Buche hörte auf zu rauschen. Hinter der Wolke schimmerte der Mond, ruhig und warm.
Und hoch oben in der alten Buche, unter einem braunen Blatt, atmete ein kleines Eichhörnchen ein und aus, ein und aus, bis es tief und fest schlief.
Eine Wunderli-Geschichte anhören
Hörprobe: eine Wunderli-Geschichte auf Deutsch
Diese Geschichte ist mit Wunderli entstanden: Ein Elternteil hat Figuren, Welt und Stimmung aus den Ideen seines Kindes festgelegt, Wunderli hat daraus den Text geschrieben und ihn als Hörspiel mit einer eigenen Stimme für jede Figur erzählt. Den Text findest du unter dem Player, falls du lieber selbst vorliest.
Welche Geschichte zum Einschlafen passt: nach Länge und Stimmung
Entscheide die Länge nach der Zeit, die bis zum Licht-aus bleibt, und nicht nach dem Umfang des Buches. Wer um halb acht noch Zähne putzen muss und um acht das Licht löschen will, hat für die Geschichte eher fünf als fünfzehn Minuten. Die Stimmung entscheidest du nach dem Zustand, in dem dein Kind gerade ist.
| Wie der Abend gerade ist | Länge | Stimmung | Was gut trägt |
|---|---|---|---|
| Spät dran, Kind schon sehr müde | 3 bis 5 Minuten | ruhig, bekannt | eine Geschichte, die ihr schon kennt, oder nur ihr Schluss |
| Gewöhnlicher Abend | 5 bis 10 Minuten | ruhig, mit kleinem Problem | Tier- oder Alltagsgeschichte, deren Problem vor der Mitte gelöst ist |
| Kind noch aufgedreht | zuerst eine Körperübung, dann 5 Minuten | sehr ruhig, wenig Handlung | eine Traumreise oder eine Geschichte mit vielen Wiederholungen |
| Kind traurig oder besorgt | 5 bis 10 Minuten | warm, mit sicherem Ende | eine Mutmachgeschichte, in der die Hauptfigur Hilfe bekommt |
| Wochenende, Zeit übrig | 10 bis 20 Minuten | etwas spannender | Abenteuer oder Märchen, deren Spannung vor dem letzten Drittel endet |
Kurze Gute-Nacht-Geschichten wirken nicht automatisch ruhiger. Entscheidend ist der Aufbau: eine Hauptfigur, ein Ort, ein Problem, das gelöst wird, bevor die letzten Absätze beginnen. Im letzten Drittel sollte keine neue Figur auftauchen und keine neue Frage entstehen. Eine Geschichte, die mit «Und morgen ...» offen endet, gibt deinem Kind einen Grund, wach zu bleiben.
Wenn dein Kind gerade nicht zur Ruhe kommt, hilft oft zuerst etwas für den Körper. Übungen dazu findest du unter Entspannung für Kinder, eine geführte Variante im Liegen unter Traumreise für Kinder.
So liest du eine Gute-Nacht-Geschichte vor
Tempo. Lies langsamer, als es sich für dich natürlich anfühlt. Mach an jedem Punkt eine kleine Pause und nach jedem Absatz eine etwas längere. Den letzten Absatz liest du noch einmal leiser und langsamer. Dein Kind hört an der Stimme, dass das Ende kommt.
Stimmen. Gib jeder Figur ein einziges Merkmal statt einer ganzen Rolle. Die Eule in der Geschichte oben spricht etwas tiefer und langsamer, das Eichhörnchen etwas höher. Das reicht, damit dein Kind die Figuren auseinanderhält. Laute oder komische Stimmen gehören an den Anfang einer Geschichte, nicht an ihr Ende.
Pausen. Wenn eine Figur eine Frage stellt, warte einen Atemzug, bevor die Antwort kommt. Diese Pausen geben deinem Kind Zeit, mitzudenken, ohne dass du etwas fragen musst. Fragen an dein Kind während der Geschichte («Was glaubst du, passiert jetzt?») halten es eher wach.
Haltepunkte. Lege vor dem Start fest, wo du aufhören könntest, und lege einen Finger oder ein Lesezeichen dorthin. Ein guter Haltepunkt kommt nach einem gelösten Problem, nie davor. Wenn dein Kind einschläft, liest du den Satz noch zu Ende und hörst dann auf.
Zwischenfragen. Fragt dein Kind mitten in der Geschichte etwas, antworte in einem Satz und lies weiter. Was länger dauert, darf bis morgen warten: «Das schauen wir morgen beim Frühstück an.»
Wie viel Vorlesen in welcher Phase sinnvoll ist, steht ausführlicher unter Vorlesen: ab wann und wie lange.
Wenn dein Kind «noch eine» will
«Noch eine» ist an vielen Abenden kein Wunsch nach einer zweiten Geschichte, sondern nach etwas mehr Zeit mit dir. Darauf kannst du dich einstellen, bevor du die erste Seite aufschlägst.
- Vorher ansagen. «Heute lesen wir eine Geschichte, danach singe ich dir noch ein Lied.» Wer das vor der Geschichte sagt, muss danach nicht verhandeln.
- Einen kleinen Nachschlag anbieten. Statt einer neuen Geschichte erzählst du in zwei oder drei Sätzen, was das Eichhörnchen in der Nacht träumt. Das ist ein Abschluss, kein neuer Anfang.
- Dieselbe Geschichte noch einmal. Eine bekannte Geschichte ein zweites Mal, kürzer und leiser, ist leichter als eine neue. Wiederholung hat keine Überraschungen.
- Einen Grund für morgen geben. «Morgen lesen wir, was das Eichhörnchen mit seinen Bucheckern macht.» So hat der Wunsch einen Platz, ohne dass der Abend länger wird.
- Auf das Muster achten. Kommt «noch eine» jeden Abend, ist die Geschichte vielleicht zu kurz oder der Start zu spät. Beginne zehn Minuten früher, statt am Ende zu verlängern.
Wenn hinter «noch eine» eher die Bitte steht, nicht allein im dunklen Zimmer zu bleiben, findest du Formulierungen und Schritte unter Angst im Dunkeln.
Was Zahlen über Vorlesen und Schlaf zeigen
Vorlesen ist in vielen Familien Alltag, aber längst nicht in allen. Laut dem Vorlesemonitor 2024 von Stiftung Lesen, DIE ZEIT und Deutsche Bahn Stiftung lesen 67,7 Prozent der befragten Eltern ihren Kindern regelmässig vor, also mindestens mehrmals pro Woche. 32,3 Prozent der Kinder zwischen einem und acht Jahren wird selten oder nie vorgelesen, 18,4 Prozent nie. Befragt wurden 815 Eltern in Deutschland. Die Studie zählt dabei auch das gemeinsame Anschauen von Bilderbüchern als Vorlesen, auch solche ohne Text.
Für den Abend selbst empfiehlt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit auf kindergesundheit-info.de (Stand 11. Oktober 2025), sich in der letzten halben Stunde vor dem Einschlafen Zeit für das Kind zu nehmen und ein regelmässiges Einschlafritual zu pflegen, zu dem Singen, Vorlesen oder Musikhören gehören können. In der letzten Stunde vor dem Zubettgehen sollen laut derselben Seite starke Reize wie wildes Toben und vor allem Bildschirmmedien vermieden werden.
Wie viel Schlaf dabei realistisch ist, hat die American Academy of Sleep Medicine 2016 in einer Konsenserklärung festgehalten: Kinder von 3 bis 5 Jahren sollten regelmässig 10 bis 13 Stunden pro 24 Stunden schlafen, Mittagsschlaf eingerechnet, Kinder von 6 bis 12 Jahren 9 bis 12 Stunden. Für die Geschichte heisst das vor allem: Wähle ihre Länge so, dass die Zeit fürs Licht-aus hält.
Weitere Zahlen mit Quellen findest du unter Vorlesen und Bildschirmzeit: Zahlen mit Quellen.
Gute-Nacht-Geschichten nach Thema
Wenn dein Kind gerade ein Lieblingsthema hat, ist das oft der einfachste Weg in eine Geschichte. Hier sind unsere Sammlungen nach Thema und Anlass:
- Kurze Gute-Nacht-Geschichten mit Tieren: Tiere als Hauptfiguren, meist mit überschaubarem Problem.
- Kurze Gute-Nacht-Geschichten im Weltraum: Sterne, Raketen und ein ruhiger Heimweg.
- Kurze Gute-Nacht-Geschichten mit Detektiven: ein kleines Rätsel, das vor dem Schluss gelöst ist.
- Kurze Gute-Nacht-Geschichten mit Drachen und Rittern: Mut ohne Kampf bis zum Ende.
- Kurze Gute-Nacht-Geschichten mit Dinosauriern: für Kinder, die jeden Saurier beim Namen kennen.
- Kurze Gute-Nacht-Geschichten mit Piraten: Schiffe, Inseln und ein sicherer Hafen am Schluss.
- Kurze Gute-Nacht-Geschichten mit Fantasie und Zauberei: Zauberwesen und erfundene Welten.
- Märchen für Kinder: welche Klassiker sich für den Abend eignen und wie du sie kürzt.
- Einschlafgeschichten für Kinder: worauf es bei Geschichten direkt vor dem Schlafen ankommt.
- Einschlafgeschichten für Kleinkinder: sehr kurze Geschichten mit Wiederholung.
- Mutmachgeschichten für Kinder: für Abende, an denen etwas Neues bevorsteht.
- Lustige Kindergeschichten: wenn der Tag schwer war und ein Lachen hilft, bevor es ruhig wird.
Wie du daraus einen festen Ablauf machst, steht unter Gute-Nacht-Rituale für Kinder.
Wenn du eine eigene Geschichte möchtest
Manche Abende verlangen nach einer Geschichte, die es so in keinem Buch gibt: mit dem Tier, das dein Kind heute im Wald gesehen hat, oder an dem Ort, von dem es seit Tagen erzählt. Mit Wunderli gestaltest du als Elternteil in sechs Schritten Figuren, Welt und Stimmung aus den Ideen deines Kindes. Wunderli schreibt daraus die Geschichte und erzählt sie als Hörspiel mit eigener Stimme für jede Figur, wahlweise 10+, 15+ oder 20+ Minuten lang, auf Deutsch, Französisch oder Englisch und in drei Sprachniveaus.
Die Geschichte wird online erstellt und läuft danach offline. Beim Zuhören bleibt der Bildschirm aus, und am Ende startet nichts automatisch. Wie du selbst eine Geschichte aufbaust, mit oder ohne Wunderli, beschreibt Gute-Nacht-Geschichte erstellen.
Quellen
- Stiftung Lesen, DIE ZEIT, Deutsche Bahn Stiftung: Vorlesemonitor 2024 (2024)
- Stiftung Lesen, Pressemeldung: Vorlesemonitor 2024: Jedem dritten Kind fehlen prägende Vorleseerfahrungen (2024)
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kindergesundheit-info.de: So fallen Zubettgehen und Einschlafen leichter (2025)
- American Academy of Sleep Medicine, Paruthi S. et al.: Recommended Amount of Sleep for Pediatric Populations: A Consensus Statement of the American Academy of Sleep Medicine (2016)