7 Minuten Lesezeit · Aktualisiert Oktober 2026

    Gute-Nacht-Geschichte erstellen: eine einfache Vorlage

    Lege den Schluss fest, bevor die erste Figur losgeht. So kannst du eine Gute-Nacht-Geschichte aus Figur, Ort, kleinem Problem und Lösung erstellen, ohne die Handlung beim Erzählen immer weiter vergrössern zu müssen.

    Eine Vorlage aus vier Bausteinen

    1. 1. Eine Figur festlegen: Nimm eine Idee deines Kindes auf, aber begrenze die Auswahl. Eine Gärtnerin, ein Fuchs oder ein Roboter reichen als Ausgangspunkt.
    2. 2. Einen vertrauten Ort wählen: Ein Garten, eine Küche oder ein Weg am Bach lässt sich schnell beschreiben. Der Ort muss nicht gross sein, um eine Handlung zu tragen.
    3. 3. Ein kleines Problem setzen: Etwas fehlt, klemmt oder wurde verwechselt. Das Problem soll in einer Handlung lösbar sein und niemanden ernsthaft bedrohen.
    4. 4. Die Lösung vor dem Erzählen kennen: Lege fest, wie alles endet. So baust du keine Nebenhandlung ein, nur weil dir mitten in der Geschichte noch der Schluss fehlt.

    Setzt du diese Teile zusammen, entsteht etwa: Eine Gärtnerin entdeckt, dass das Tor im Wind klappert. Sie sucht im Schuppen nach einer Schnur, bindet das Tor fest und stellt die Laterne zurück an ihren Platz. Mehr braucht die Handlung nicht.

    Ein Satz vom Kind reicht

    Du musst dein Kind nicht mit zehn Fragen durch ein Interview führen. Frage: «Soll heute ein Tier oder ein Mensch vorkommen?» Danach: «Spielt es drinnen oder draussen?» Wenn als Antwort ein fliegender Fuchs im Badezimmer kommt, behalte die Idee und gib ihr eine kleine Aufgabe. Vielleicht muss der Fuchs ein Handtuch vom hohen Haken holen.

    Die erwachsene Person führt die Auswahl zusammen. Das Kind liefert Ideen, muss aber weder die Dramaturgie planen noch die Geschichte selbst bedienen. Diese Rollenverteilung hält den Anfang kurz und verhindert, dass die Entscheidung über jede Kleinigkeit den Abend verlängert.

    So erzählst du ohne Manuskript

    Wiederhole die wichtigen Wörter. «Das Tor klapperte. Die Gärtnerin legte die Hand darauf, und das Klappern hörte auf.» Solche Rückbezüge halten die Handlung verständlich. Beschreibe nur, was die Figur gerade wahrnimmt, statt den ganzen Ort auf einmal auszumalen.

    Wenn du ins Stocken gerätst, lass die Figur drei Dinge prüfen. Unter der Bank liegt nichts, hinter der Giesskanne liegt nichts, im Schuppen hängt die Schnur. Das gibt Rhythmus, ohne eine neue Nebenhandlung zu eröffnen. Weitere Erzählanfänge findest du bei den kurzen Gute-Nacht-Geschichten.

    Der Schluss braucht mehr Platz als der Höhepunkt

    Beende die eigentliche Aufgabe zwei oder drei Absätze vor dem letzten Satz. Danach räumt die Figur etwas weg, geht nach Hause oder hört, wie der Wind nachlässt. Vermeide «Und morgen wartet das nächste Abenteuer». Für eine Einschlafgeschichte ist ein geschlossenes Ende kein Mangel, sondern der Zweck.

    Wenn du unsicher bist, lies den letzten Absatz laut. Öffnet er eine neue Frage, streiche sie. Wird die Stimme beim Vorlesen automatisch langsamer, ist der Schluss meist richtig gebaut. Der Beitrag über Einschlafgeschichten für Kinder zeigt weitere ruhige Enden.

    Wenn heute niemand frei erzählen möchte

    Wunderli übernimmt den langen Teil. Ein Elternteil formt in 6 Schritten Figuren, Welt, Stimmung, Sprachstufe und Länge aus den Ideen des Kindes. Wunderli schreibt und erzählt die Geschichte. Du kannst zwischen 10+, 15+ oder 20+ Minuten wählen; beim Hören bleibt der Bildschirm aus und am Ende startet nichts automatisch.

    Das ersetzt nicht den selbst erzählten Satz am Bettrand. Es ist eine Möglichkeit für Abende, an denen Ideen da sind, aber die Energie für zwanzig Minuten freies Erzählen fehlt. Den Ablauf findest du unter So funktioniert Wunderli.

    Häufig gestellte Fragen

    Beginne mit einer Figur an einem klaren Ort und nenne das kleine Problem im ersten Absatz. Lange Vorgeschichten machen freies Erzählen unnötig schwer.

    Kehre zum Problem zurück und lass die Figur eine sichtbare Spur prüfen. Wenn du feststeckst, darf eine erwachsene Nebenfigur mit einem Hinweis helfen.

    Löse das Problem und beschreibe danach nur noch die Rückkehr zur Ruhe. Eine geschlossene Tür, eine abgestellte Lampe oder ein Tier im Nest reichen als letztes Bild.

    Ja. Ein Elternteil formt in 6 Schritten Figur, Welt und Stimmung aus den Ideen des Kindes; Wunderli schreibt und erzählt daraus die Geschichte.